Ich möchte den (fast) letzten Blogbeitrag dieses Jahres nutzen, um noch ein paar Worte an Sie zu richten. Worte, die nicht abgedroschen klingen, und doch irgendwie schon tausendmal gehört wurden. Worte, die nicht auf jeder banalen Weihnachtskarte quer durch die Republik verschickt werden, und am Ende einfach in der Mülltonne landen. Nein, das möchte ich nicht.
Natürlich wünsche ich Ihnen ein schönes Weihnachtsfest, und auch der Rutsch ins neue Jahr soll dieses Mal ein wirklich unvergesslicher werden. Doch hören wir das nicht jedes Jahr, und denken dann bloß: „Ja, danke – dir auch. Um anschließend einfach dort weiterzumachen, wo wir zuvor aufgehört haben?
Weihnachten – und was jetzt?
Die ersten Neukreationen kleiner Schokonikoläuse und anderer weihnachtlicher Kreaturen gibt es schon Ende August im Überangebot der Supermarktketten zu kaufen, während sich die hippe Textilbranche auf trendige Neuproduktionen von der Stange konzentriert. Die überlangen Warteschlangen bei H&M und Co. werden zu einem aggressiven Überlebenskampf, und die Nächstenliebe wird (kurzzeitig) zu einem Recht des Stärkeren. Mariah Carey trällert wieder in Dauerschleife, und das um diese Jahreszeit herrschende Wetter ist sowieso – wie immer – miserabel.
Und dann die schlafraubende Frage: Was kaufe ich meinem Onkel Edgar?
Menschen ohne Badewanne bekommen pflegendes Badesalz, Kochmuffel das neueste Kochbuch von Brigitte Light. Es wird wieder eine Flut geschmackloser Synthetikunterwäsche geben, neue Staubfänger für Singlewohnungen, unpersönliche Parfüms, „mit Liebe gekaufte“ Oma-Socken oder einfach irgendetwas, nur um es anschließend wieder umzutauschen. Vielleicht findet ja die dritte Duftlampe doch noch einen Platz?
Da stellt sich mir die Frage: Was ist nur los in unserer so gebildeten Gesellschaft? Was hat Weihnachten aus uns gemacht – oder sollte ich fragen: Was haben wir aus Weihnachten gemacht?
Weihnachten – Oh, du Fröhliche!
Sind es wirklich die vielen bunten Geschenke an Menschen, von denen wir glauben, sie beschenken zu müssen, die uns „weihnachtlich“ stimmen? Reicht es nicht, sich mit offenem Herzen zu begegnen und dankbar zu sein, dass der Tisch voll gedeckt ist und Oma dieses Jahr noch mit dabei ist? Ich selbst gehe zu selten in die Kirche, um Weihnachten als Glaubensfrage zu betrachten – wie viele andere auch. Also wozu das alles?
Was bringen wir unseren Kindern eigentlich bei – außer bunt verzierten Lebkuchen, billigem Turbopunsch, überzuckerten Vanillekipferln, zu viel Essen in Gesellschaft von Menschen, die uns ohnehin auf die Nerven gehen, und einem Adventskalender mit einer Geschichte, die ab sechs Jahren ohnehin an Wert verliert?
Weihnachten ist für viele Menschen die anstrengendste Zeit des Jahres – und doch könnte sie so schön sein, wenn wir uns nur einmal wieder besinnen würden, was Weihnachten einst war, bevor Coca-Cola einem alten Mann einen roten Mantel überstülpte und einen großen Sack in die Hand gegeben hat.
Ich wünsche Ihnen in dieser Zeit viel Leichtigkeit, Zufriedenheit und Momente, die Ihr Herz berühren. Seien Sie neugierig auf das kommende Jahr – und schenken Sie Vertrauen.
Es grüßt Sie
Corinna Schmid – Das Waldblick